Ratgeber · Personalauswahl

Deutschkenntnisse richtig einschätzen.

Zu hoch angesetzt verlieren Sie gute Leute, zu ungenau geprüft merken Sie es erst in der Einarbeitung. Wie Sie das Niveau an der Tätigkeit ausrichten und Sprache prüfen, ohne jemanden vorzuführen.

Lesezeit: ca. 8 Minuten · Zielgruppe: HR, Recruiting, Fachbereichsleitung

Kurze Antwort (TL;DR)

Leiten Sie das Niveau aus der Tätigkeit ab, nicht aus dem Wunschbild: meist B1 im Gewerbe, B2 bei Kundenkontakt und Dokumentation. Prüfen Sie dann nicht Grammatik, sondern die Situationen aus dem Job, aufgeteilt in Lesen, Hören, Schreiben und Fachwortschatz. Lesen Sie das Ergebnis als Profil, nicht als Note, denn die Schere zwischen Sprechen und Schreiben ist bei den meisten Menschen zwei Stufen groß. Und wer knapp darunter liegt, wird nicht aussortiert, sondern gezielt eingearbeitet.

Der Ausgangspunkt

Das Zertifikat beantwortet die falsche Frage

In den meisten Verfahren läuft die Sprachprüfung so: Im Lebenslauf steht B2, im Telefonat klingt es passabel, also passt es. Beides sind schwache Signale. Ein Zertifikat dokumentiert einen Prüfungstag, der zwei Jahre zurückliegen kann, und ein Telefonat prüft vor allem, ob jemand unter Druck flüssig spricht. Über die Frage, ob die Person eine Störungsmeldung korrekt versteht oder eine Pflegedokumentation sauber führt, sagt keines von beidem etwas.

Dazu kommt ein Punkt, der in der Praxis regelmäßig übersehen wird: Sprachfertigkeiten liegen bei den wenigsten Menschen auf einem Niveau. Wer im Alltag viel spricht und wenig schreibt, hat eine Schere zwischen mündlich und schriftlich, die schnell zwei Stufen groß wird. Ein einzelner Gesamtwert verdeckt das. Für Ihre Entscheidung ist aber genau diese Aufteilung interessant, weil sie sagt, ob jemand sofort einsetzbar ist oder mit einem gezielten Kurs in acht Wochen dort ist.

Die dritte Lücke ist der Fachwortschatz. Kein allgemeines Sprachzertifikat kennt Ihre Begriffe. Ob jemand weiß, was eine Kommissionierliste, ein Dekubitusrisiko oder eine Abnahmeprüfung ist, entscheidet über die ersten Wochen mehr als die formale Stufe.

Niveau festlegen

Welche Stufe die Stelle tatsächlich verlangt

Eine Faustregel, kein Prüfungsstandard. Der Zweck ist, die Anforderung ehrlich zu machen statt sie sicherheitshalber hochzusetzen.

A2

Einfache, stark standardisierte Abläufe

Kurze Anweisungen verstehen, Formulare ausfüllen, sich im Team abstimmen. Ohne begleitende Einarbeitung selten tragfähig.

B1

Gewerbe, Logistik, Helfertätigkeiten

Rückfragen stellen, Übergaben verstehen, einfache Einträge machen. Für viele Stellen die ehrliche Untergrenze.

B2

Pflege, Kundenkontakt, Dokumentation

Selbständig telefonieren, Beschwerden schriftlich beantworten, ausführlich dokumentieren.

C1

Beratung, Redaktion, Führung

Nuancen treffen, komplexe Sachverhalte schriftlich darstellen, zwischen den Zeilen lesen.

Der teuerste Reflex

„Verhandlungssicher“ landet oft in Ausschreibungen, in denen die Arbeit aus Schichtübergaben und Checklisten besteht. Jede Stufe zu viel schrumpft den Bewerberpool spürbar, ohne dass die Arbeit besser wird. In Engpassberufen ist das keine Kleinigkeit, sondern der Unterschied zwischen besetzt und offen.

Aufbau

Vier Bausteine für einen Check, der etwas aussagt

Zusammen 20 bis 25 Minuten. Länger braucht es nicht, und länger nehmen Bewerber Ihnen im Vorauswahlschritt auch nicht ab.

Lesen

Ein echtes Dokument aus Ihrem Haus, dazu vier Verständnisfragen. Kein Lehrbuchtext.

Hören

Aufnahme aus dem Arbeitsalltag mit normalem Tempo und Nebengeräusch, nicht im Studio eingesprochen.

Schreiben

Eine kurze Nachricht mit realistischem Anlass, bewertet nach Verständlichkeit, Ton und Vollständigkeit.

Fachwortschatz

Zwanzig Begriffe, die in der ersten Arbeitswoche fallen. Der beste Prädiktor im ganzen Test.

Der wichtigste Baustein ist der unscheinbarste. Zwanzig Begriffe aus der ersten Arbeitswoche sagen mehr über die Startfähigkeit aus als jede allgemeine Sprachaufgabe, weil sie genau die Lücke sichtbar machen, die ein Zertifikat nie abdeckt. Und sie sind schnell gebaut: Bitten Sie eine erfahrene Kraft aus dem Team, die Wörter aufzuschreiben, die neue Kollegen am häufigsten nachfragen.

Beim Schreiben lohnt sich ein kleines Bewertungsraster statt eines Bauchgefühls. Drei Kriterien, je null bis zwei Punkte: Ist die Nachricht verständlich? Ist der Ton angemessen? Sind alle nötigen Informationen drin? Fehlerfreiheit steht bewusst nicht dabei, denn eine Mail mit zwei Artikelfehlern, die den Sachverhalt vollständig klärt, ist im Betrieb mehr wert als eine grammatisch saubere, die die Hälfte weglässt.

Auswertung

Ein Profil lesen, keine Note

Die Versuchung ist groß, alles zu einer Zahl zusammenzurechnen und eine Grenze zu ziehen. Damit werfen Sie aber genau die Information weg, für die Sie den Test gebaut haben. Zwei Kandidaten mit 68 Prozent können völlig unterschiedliche Fälle sein: Der eine versteht alles und schreibt schwach, der andere schreibt ordentlich und verpasst am Telefon die Hälfte. Für eine Stelle in der Produktion ist der erste sofort einsetzbar, für den Innendienst der zweite.

Schauen Sie deshalb immer auf die Aufschlüsselung pro Baustein. Hörverständnis ist der Wert, der am schwersten nachzuholen ist, weil er Tempo, Dialekt und Nebengeräusche gleichzeitig verlangt. Schriftsprache lässt sich dagegen mit einem begleitenden Kurs und Textbausteinen in überschaubarer Zeit aufbauen. Fachwortschatz wiederum kommt in den ersten Wochen fast von allein, sobald jemand die Begriffe täglich hört.

Praktisch heißt das: Legen Sie pro Baustein eine eigene Untergrenze fest, statt einer Gesamtschwelle. Und notieren Sie im Ergebnis, welche Aufgabe konkret gescheitert ist. Diese Notiz ist später die Grundlage für die Einarbeitung, sie erspart Ihnen ein zweites Gespräch über etwas, das Sie längst wissen.

Do's & Don'ts

Die kurze Liste für das nächste Verfahren

So gehen Sie vor

  • Das nötige Niveau vor der Ausschreibung festlegen, abgeleitet aus der Tätigkeit
  • Denselben Check an alle Bewerber derselben Stelle schicken, ohne Ausnahme
  • Inhalte aus dem echten Arbeitsalltag prüfen statt Grammatikregeln abzufragen
  • Ergebnisse nach Fertigkeit aufschlüsseln, damit Einarbeitung gezielt ansetzen kann

Das vermeiden

  • ×Verhandlungssicher fordern, wenn die Stelle aus Schichtübergaben und Checklisten besteht
  • ×Aus dem Klang der Stimme im Telefoninterview auf die Arbeitsfähigkeit schließen
  • ×Einen einzigen Gesamtwert bilden und damit die Schere zwischen Sprechen und Schreiben verdecken
  • ×Die Bestehensgrenze erst festlegen, nachdem die ersten Ergebnisse da sind

So löst trønso das

Alle vier Bausteine in einem Durchlauf

Lesetext, Audiofrage, Schreibaufgabe und Fachwortschatz stecken in einem Test. Auswahlfragen wertet das System serverseitig aus, den Freitext lesen Sie selbst.

Gleicher Test für alle

Ein Link, ein Zeitlimit, dieselbe Reihenfolge. Vergleichbarkeit ist eingebaut, nicht Disziplinsache.

Aufschlüsselung je Frage

Sie sehen, welche Fertigkeit schwächelt, und können die Einarbeitung gezielt ansetzen.

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Weiter zur Umsetzung: Sprachtest erstellen, Audio-Fragen und Quereinsteiger einstellen.

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Häufige Fragen

Fragen zur Sprachprüfung im Bewerbungsverfahren

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