Ratgeber · Fragendesign

Fragen für Bewerber: 50+ erprobte Fragen.

Welche Fragen eignen sich für Online-Tests, welche für das Gespräch? Eine kategorisierte Fragenbibliothek für Recruiter, mit Tipps zu Formulierung, Schwierigkeit und Bias-Vermeidung.

Lesezeit: ca. 8 Minuten · Zielgruppe: HR-Manager, Recruiter, Hiring Manager

Kurze Antwort (TL;DR)

Fragen für Bewerber lassen sich in fünf Kategorien einteilen: kognitive Kompetenzen (für Tests), Fachkompetenz (stellenspezifisch), verhaltensorientierte Fragen (Vergangenheit), situative Fragen (Hypothetisch) und Motivationsfragen (Gespräch). Die besten Ergebnisse erzielt, wer alle fünf Kategorien kombiniert.

Diese Fragen haben im Gespräch nichts verloren

Kein Jobbezug, kein Erkenntnisgewinn, viel Ärger

✕Sind Sie schwanger oder planen Sie Kinder?
✕Welcher Religion gehören Sie an?
✕Sind Sie Gewerkschaftsmitglied?
✕Wie ist Ihr allgemeiner Gesundheitszustand?
✕Haben Sie Vorstrafen?
✕Wie alt sind Sie?
✕Welche politischen Überzeugungen haben Sie?
✕Sind Sie verheiratet / leben Sie in einer Partnerschaft?

Für einzelne sicherheitsrelevante Tätigkeiten gelten Sonderfälle. Ob Ihre Stelle dazugehört, klären Sie vorab mit Ihrer Rechtsabteilung.

50+ erprobte Fragen für Bewerber

Die folgenden Fragen sind in fünf Kategorien gegliedert. Test-Fragen (Kategorien 1 & 2) eignen sich für Online-Assessments; Gesprächsfragen (Kategorien 3–5) für strukturierte Interviews.

Kognitive Kompetenzen (Test-Fragen)

  • 1

    Welche Zahl kommt als nächstes in der Reihe: 2, 6, 18, 54, ___?

  • 2

    Ein Unternehmen steigert seinen Umsatz um 20 % auf 240.000 €. Wie hoch war der ursprüngliche Umsatz?

  • 3

    Welches Wort passt nicht in die Reihe: Hammer, Säge, Schrauber, Nagel, Zange?

  • 4

    Ein Projekt dauert normalerweise 12 Tage mit 4 Personen. Wie lange dauert es mit 6 Personen?

  • 5

    Lesen Sie den folgenden Text und beantworten Sie: Was ist die Hauptaussage des Autors? [Textpassage]

Berufliche Fachkompetenz (Stellenspezifisch)

  • 1

    Welche Excel-Funktion gibt den Wert einer Zelle zurück, wenn eine Bedingung wahr ist?

  • 2

    Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettolohn?

  • 3

    Welches Dokument belegt die Abgabe der Jahressteuererklärung beim Finanzamt?

  • 4

    Ein Kunde beschwert sich über eine fehlerhafte Lieferung. Was sind Ihre ersten drei Schritte?

  • 5

    Nennen Sie drei gängige CRM-Systeme und einen wesentlichen Unterschied zwischen ihnen.

Verhaltensorientierte Interview-Fragen

  • 1

    Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie ein Projekt unter großem Zeitdruck abgeschlossen haben. Wie sind Sie vorgegangen?

  • 2

    Beschreiben Sie einen Konflikt mit einem Kollegen oder einer Führungskraft. Wie haben Sie ihn gelöst?

  • 3

    Nennen Sie ein Projekt, das nicht wie geplant verlaufen ist. Was haben Sie daraus gelernt?

  • 4

    Wie haben Sie in der Vergangenheit mit widersprüchlichen Prioritäten umgegangen?

  • 5

    Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie jemanden von einer Idee überzeugen mussten.

Situative Fragen (Hypothetisch)

  • 1

    Stellen Sie sich vor, Ihr Vorgesetzter gibt Ihnen kurzfristig eine neue Aufgabe, aber Sie haben bereits drei laufende Projekte. Wie reagieren Sie?

  • 2

    Ein Kunde ist mit einem gelieferten Produkt unzufrieden, obwohl es den vereinbarten Spezifikationen entspricht. Was tun Sie?

  • 3

    Sie stellen fest, dass ein Kollege einen Fehler gemacht hat, der noch nicht aufgefallen ist. Wie gehen Sie damit um?

  • 4

    Sie sollen ein neues Tool einführen, aber Ihr Team lehnt die Umstellung ab. Wie überzeugen Sie die Kolleg:innen?

  • 5

    Ihr Team hat unterschiedliche Meinungen zu einer Entscheidung. Es muss schnell gehandelt werden. Wie gehen Sie vor?

Motivations- & Kulturfragen (Gespräch)

  • 1

    Warum haben Sie sich für diese Stelle beworben und warum jetzt?

  • 2

    Was hat Sie an Ihrer letzten Stelle am meisten motiviert? Was am wenigsten?

  • 3

    Wie sieht Ihre ideale Arbeitsumgebung aus, eher strukturiert oder selbstorganisiert?

  • 4

    Welche Art von Feedback hilft Ihnen am meisten, sich weiterzuentwickeln?

  • 5

    Wo möchten Sie in 3–5 Jahren beruflich stehen?

5 Regeln für bessere Bewerber-Fragen

1

Jobrelevanz prüfen

Jede Frage sollte direkt mit einer Anforderung der Stellenbeschreibung verknüpft sein. Fragen ohne klaren Jobbezug kosten Zeit und öffnen die Tür für Eindrücke, die mit der Eignung nichts zu tun haben.

2

Eindeutige Formulierung

Doppelte Verneinungen, mehrteilige Fragen ('Was halten Sie von A und B?') und Fachbegriffe ohne Erklärung führen zu Missverständnissen und messen dann Sprachkompetenz statt Fachkompetenz.

3

Distraktoren plausibel halten

Falsche Antwortoptionen (Distraktoren) müssen glaubwürdig klingen. 'Alle der oben genannten' sollte nur verwendet werden, wenn es tatsächlich korrekt ist, sonst wirkt es wie ein Trick.

4

Bias-Review einplanen

Lassen Sie Fragen von einer zweiten Person lesen. Kulturell spezifische Beispiele, Fachjargon aus bestimmten Regionen oder einseitige Szenarien können bestimmte Gruppen benachteiligen.

5

Schwierigkeitsskala aufbauen

Ein guter Test enthält 30 % leichte, 50 % mittlere und 20 % schwere Fragen. So werden sowohl schwache als auch starke Kandidaten sauber differenziert und alle Kandidaten haben das Gefühl, etwas leisten zu können.

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Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionell aufbereitete Praxisinformation und stellt keine Rechtsberatung dar. Er beschreibt allgemeine Vorgehensweisen aus der Personalpraxis und ersetzt weder die Prüfung Ihres Einzelfalls noch eine fachkundige Beratung. Rechtliche Anforderungen hängen von Branche, Unternehmensgröße, Mitbestimmung und Ihrer konkreten Gestaltung ab und ändern sich laufend. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an Ihre Rechtsabteilung, eine Rechtsanwaltskanzlei oder Ihre Datenschutzbeauftragten. Eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit können wir nicht übernehmen.